In einer sich schnell verändernden Welt tut es gut, um eine Kraft zu wissen, die still und leise Grosses bewirkt: die Freiwilligenarbeit. Ganz unterschiedliche Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituationen – entscheiden sich dafür, ihre Zeit und Energie in den Dienst anderer zu stellen. Sie tun dies aus einem tiefen Bedürfnis heraus, etwas zu bewirken. Gerade in der Schweiz ist Freiwilligenarbeit ein wesentlicher Bestandteil einer funktionierenden Gesellschaft.
Doch es wäre zu einfach, die Motivation für ein ehrenamtliches Engagement nur auf die Genugtuung zu beschränken. Laut Dominique Minder, Fachverantwortliche Freiwilligenmanagement beim Aargauer Roten Kreuz, hätten die Freiwilligen in der Regel gleich mehrere Beweggründe, weshalb sie sich engagieren: «Als Freiwillige ernte ich echte Wertschätzung und Dankbarkeit direkt von meinem Gegenüber. Ausserdem habe ich die Möglichkeit, einen Teil meines Wissens und Könnens weiterzugeben.»
Dem kann sich die Freiwillige Traudi Reimann nur anschliessen. Seit dem Sommer 2024 engagiert sie sich im Rotkreuz-Schreibdienst, wo sie Mitmenschen beim Verfassen, Lesen und Verstehen ihrer Korrespondenz in deutscher Schriftsprache unterstützt. «Als ehemalige Gerichtsschreiberin weiss ich, wie schwierig es ist, einen Sachverhalt schriftlich verständlich auszudrücken. Das geht nicht nur fremdsprachigen Personen so, sondern auch vielen Schweizerinnen und Schweizern», so Traudi Reimann. Für sie sei es ein Leichtes, einen Brief zu verfassen. «Wenn ich damit anderen eine grosse Last abnehmen kann, ist das umso schöner», sagt die 63-Jährige. Bei ihren Einsätzen erfahre sie viel Dankbarkeit und Wertschätzung: «Es ist ein gutes Gefühl, den Menschen helfen zu können.»
Freiwillige werden Teil einer Gemeinschaft
Für Dominique Minder gibt es weitere Motive für Freiwilligenarbeit: «Freiwillige erleben das Gefühl einer Gemeinschaft, die sich zusammen für etwas engagiert. Das motiviert zusätzlich.» Bestes Beispiel dafür ist Traudi Reimann. Sie sagt: «Die ehrenamtliche Arbeit ist für mich ein Engagement an der Gesellschaft. Sie lebt davon, dass wir uns gegenseitig unterstützen.» Laut Dominique Minder möchten viele Freiwillige zudem etwas zurückgeben. Dass dies möglich sei, lasse die Freiwilligen eine grosse Zufriedenheit erleben. Auch Traudi Reimann ist dankbar für ihr Leben und die vielen Möglichkeiten, die sie in der Schweiz hatte: «Mir ist bewusst, dass ein solches Leben keine Selbstverständlichkeit ist. Deshalb gebe ich gerne etwas zurück.»