Warteliste für unentgeltliche Nachhilfe wird immer länger

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Besonders seit der Pandemie ist die Nachfrage nach unentgeltlicher Unterstützung in den verschiedensten Bereichen stark gestiegen. (SRK, Frederic Meyer)
Das Jugendrotkreuz Kanton Aargau ist dringend auf der Suche nach freiwilligen Nachhilfelehrpersonen in der Region Aarau, Zofingen, Baden, Brugg und Freiamt. Die Nachfrage ist besonders seit der Pandemie stark gestiegen.

Aargau – Über 70 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Kanton Aargau erhalten Nachhilfe von Freiwilligen des Jugendrotkreuzes Kanton Aargau. Doch während die Nachfrage stetig wächst und die Warteliste immer länger wird, melden sich immer weniger freiwillige Nachhilfelehrpersonen. Das stellt nicht nur das Jugendrotkreuz Kanton Aargau vor Probleme, sondern vor allem auch die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die auf Hilfe angewiesen sind.

Einer davon ist Muhammad aus Aarau. Der neunjährige Junge erhielt bereits für einige Monate Nachhilfe. Diese musste jedoch beendet werden, da die Freiwillige eine neue Ausbildung begonnen hat. Muhammads Vater meint: «Meine Frau und ich sind beide nicht in der Schweiz zur Schule gegangen, deshalb ist das Schulsystem neu für uns. Wir können unserem Sohn vor allem im Deutsch nicht ausreichend bei den Hausaufgaben helfen. Deshalb ist es für Muhammad wichtig, dass er Unterstützung durch eine Nachhilfelehrperson erhält.» Auch ein elfjähriges Mädchen aus Wohlen wartet bereits seit einigen Monaten auf eine Unterstützung. Ihre Mutter meint: «Meine Tochter hat in verschiedenen Fächer Mühe, daher haben wir uns beim Jugendrotkreuz Kanton Aargau gemeldet. Damit sie Nachhilfe bekommt und wieder mehr Freude und Motivation bekommt beim Lernen und in der Schule allgemein».

Bildungsbericht Schweiz zeigt Ungleichheiten auf

Seit fast zehn Jahren bietet das Jugendrotkreuz Kanton Aargau unentgeltlichen Nachhilfeunterricht für Kinder und Jugendliche aus finanziell benachteiligten Familien. Das Ziel dabei ist es, die Chancengleichheit in der Bildung zu erhöhen. Diese ist zwar in der Schweizer Bundesverfassung festgeschrieben, dennoch zeigt der Bildungsbericht Schweiz von 2018 der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsfragen, dass Kinder und Jugendliche aus sozial und finanziell benachteiligten Familien und/oder mit Migrationsgeschichte geringere Chancen haben in der Schule als Kinder und Jugendliche aus privilegierten Familien. Dies wirkt sich nicht nur auf ihre direkten schulischen Leistungen aus, sondern auch auf ihre berufliche Zukunft, was wiederum die soziale Mobilität einschränkt. In anderen Worten: Kinder aus sozial schwachen Familien haben geringere Chancen, ihre soziale Stellung zu erhöhen. Um diesen Missstand zu überwinden, sollten diese Kinder und Jugendlichen zusätzlich Unterstützung erhalten, welche aber für die Familien finanziell häufig nicht tragbar ist. Genau hier setzt das Nachhilfeprojekt des Jugendrotkreuz Kanton Aargau an. Durch das Engagement von freiwilligen Nachhilfelehrpersonen können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich eine private Nachhilfe nicht leisten können, in einer Ausbildung unterstützt werden.

Die Hintergründe der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die auf eine Nachhilfe warten, sind sehr unterschiedlich. Primarschülerinnen und Sekundarschüler, als auch Personen in Integrationsklassen und Lehrlinge warten momentan auf eine Nachhilfe durch Freiwillige des Jugendrotkreuzes.

Aufgrund der grossen Nachfrage sucht das Jugendrotkreuz Kanton Aargau dringend Freiwillige, die sich in der Nachhilfe engagieren möchten. Willkommen sind alle Personen ab 15 Jahren. Interessierte an einem Engagement beim Jugendrotkreuz können sich über die E-Mail jugendrotkreuz@srk-aargau.ch oder unter 062 835 70 48 melden.