Die Geschäftsführerin Regula Kiechle erläutert die Hintergründe dieser Entscheidungen.
Wie finanziert sich das SRK Kanton Aargau?
Die Finanzierung unserer Hilfsorganisation ist vielschichtig.
Im Jahr 2023 machten die Spendeneinnahmen von den Mitgliedern, Gönnerinnen und Gönnern sowie Stiftungen 38 Prozent der Gesamteinnahmen aus. 12 Prozent der Einnahmen stammen von Leistungsaufträgen des Kantons. Die restlichen Mittel steuern Erträge aus den Projekten und Angeboten mit 47 Prozent sowie der Finanzerfolg mit 3 Prozent bei.
Warum hat das SRK Kanton Aargau mit finanziellen Herausforderungen zu kämpfen?
Wenn ein Unternehmen mehr Absatz generiert, steigert dies dessen Gewinn. Bei einer Hilfsorganisation verhält es sich genau umgekehrt, da unsere Angebote mehrheitlich nicht kostendeckend sind. Dies bedeutet: Je mehr Unterstützung das SRK Kanton Aargau leistet, desto mehr finanzielle Mittel (z. B. Spenden) sind erforderlich! Die Bevölkerung des Kantons Aargau wächst seit Jahren und damit auch die Nachfrage nach vielen Rotkreuz-Angeboten.
Weitere Ursachen, die zum negativen Betriebsergebnis führten: weniger finanzielle Beiträge der Sozialversicherungen, Spendenrückgang, Finden und Halten von Freiwilligen und Fachpersonal zunehmend aufwendiger, höhere Grundkosten aufgrund allgemeiner Preissteigerungen und Ersatz der 16-jährigen Software zugunsten einer zeitgemässen Digitalisierung.
Um eine langfristige Sicherung der Angebote zu gewährleisten, wurden Massnahmen ergriffen. Welche?
Das Aargauer Rote Kreuz bleibt seinem Versprechen treu, dass es Menschen in Not Hilfe leistet und ein Arbeitgeber ist, der die Sorgfaltspflichten gegenüber den Mitarbeitenden ernst nimmt. Bei den Dienstleistungen wurden mögliche Sparpotenziale evaluiert und das Projekt «Kundenzentrierung » gestartet, das auch der Prozessoptimierung dient.
Weil aber in den letzten Jahren vor allem aufgrund externer Faktoren die Kosten gestiegen sind, die Tarife des Aargauer Roten Kreuzes in den vergangenen Jahrzehnten aber äusserst niedrig waren (etliche Dienstleistungen auch kostenlos), mussten wir die Tarife verschiedener Rotkreuz-Dienstleistungen per 1. Januar 2025 anpassen. Dies betrachten wir als menschlicher als ein Abbau bei den Angeboten.
Die Tarife sind nach der Anpassung vergleichbar mit denen anderer Hilfswerke. Auch nach der Anpassung bleibt bei den meisten Dienstleistungen immer noch ein Rest-Defizit. Mit dem Rotkreuzrabatt Aargau haben wir die Möglichkeit, gezielt Menschen zu unterstützen, die sich die Tarife nicht leisten können.
Welche Anpassung gibt es beim Mitgliederbeitrag?
Der jährliche Mitgliederbeitrag beträgt per 2025 neu 45 Franken (bisher 30 Franken). Das sind neu 3.75 Franken monatlich für die Unterstützung von Aargauerinnen und Aargauern in schwierigen Lebenssituationen.
Wobei hier erwähnt werden darf, dass die Mehrheit unserer Mitglieder sich für einen höheren Beitrag entschieden hat. So liegt der durchschnittliche Mitgliederbeitrag derzeit bei 65 Franken im Jahr.
Was werden diese Massnahmen bewirken?
Die eingeleiteten Massnahmen haben zum Ziel, das jährliche Betriebsergebnis auszugleichen damit es sich in ein bis zwei Jahren wieder in einer gesunden Balance befindet. Viele Massnahmen werden bereits 2025 zu einem besseren Betriebsergebnis beitragen. Ein ausgeglichenes Betriebsergebnis stellt sicher, dass wir auch in Zukunft unseren gesellschaftlichen Auftrag für die Bevölkerung im Kanton Aargau erfüllen können.