„Nicht nur helfen, sondern richtig helfen“

Einführung in die Demenzbetreuung: Spezialistin Ursula Hirt diskutiert mit Kursteilnehmenden die täglichen Herausforderungen im Umgang mit Demenzerkrankten.
Was tun, wenn der Vater erste Zeichen von Demenz zeigt? Wenn die Mutter nicht mehr alleine duschen kann? Unsere Kurse helfen pflegenden Angehörigen, sich auf solche Herausforderungen vorzubereiten.

Aarau, 27.02.2018

«Sie ist nicht mehr so beweglich und etwas vergesslich, aber das ist ja normal», sagt Marianne Straub von ihrer 84-jährigen Mutter. Alles in allem sei sie für ihr Alter aber ‚guet zwäg‘. Trotzdem hat die Tochter letztes Jahr einen Kurs für pflegende Angehörige des Aargauer Roten Kreuzes besucht. «Im Alter ist schnell etwas passiert und meine Mutter möchte nicht in ein Altersheim. Das will ich ihr ermöglichen können», erklärt sie.

Erlebnisse austauschen

Demenzspezialistin und Kursleiterin Ursula Hirt findet diese Herangehensweise vorbildlich, denn: «Oft holen sich pflegende Angehörige erst Hilfe, wenn sie selbst schon am Anschlag sind.» Zu dem Zeitpunkt sei es dann für viele schwierig, überhaupt noch einen Kurs zu besuchen, da sie von der intensiven Pflege absorbiert sind.

In solchen Fällen kann der Entlastungsdienst des Aargauer Roten Kreuzes helfen. Für ein paar Stunden übernehmen dort geschulte Betreuungspersonen die Pflege von demenzkranken oder pflegebedürftigen Angehörigen. Über dieses und ähnliche Entlastungsangebote wird auch in den Kursen informiert. «Zudem bieten die Veranstaltungen einen geschützten Raum, wo sich die Teilnehmenden über die Erkrankung ihrer Angehörigen austauschen können», betont Kursleiterin Hirt.

Umgang und Geduld lernen

Wie soll ich reagieren, wenn mein demenzerkrankter Vater etwas sagt, das offensichtlich nicht stimmt? Wenn er aggressiv wird, wenn ich widerspreche? - Solche Erlebnisse werden analysiert und humane Umgangsformen diskutiert. «Ich habe gelernt, dass es in diesen Situationen hilft, die Aussage einfach anzunehmen und eine aggressive Person auf andere Gedanken zu bringen», berichtet Marianne Straub. Das neue Wissen um die verschiedensten Alterserscheinungen helfe ihr auch im Umgang mit ihrer Mutter die Geduld zu bewahren und ein Verhalten richtig einzuschätzen. «So kann ich nicht nur helfen, sondern richtig helfen.»