Mit den Sternen-Jungs im Reich der Stars

Bühne frei für die Sternen-Jungs: Die jungen Asylsuchenden und die Freiwilligen des Aargauer Jugendrotkreuzes improvisieren auf der Bühne des TaB.
Zehn Teilnehmende der Inputabende des Aargauer Jugendrotkreuzes durften letzten Mittwoch hinter die Kulissen des Theaters am Bahnhof in Reinach schauen. Ein inspirierender Besuch.

Reinach, 19.09.2018

Früher als gewohnt versammeln sich die Freiwilligen und Teilnehmenden der Inputabende an diesem Mittwochabend. Auch der Treffpunkt ist ungewohnt. Die zehn Jungs aus der Asylunterkunft Sternen in Menziken und die zwei Freiwilligen des Aargauer Jugendrotkreuzes stehen vor dem Theater am Bahnhof, kurz TaB in Reinach.

Mehr als Playtaste drücken

Viele der Jungs haben in der Schweiz zum ersten Mal ein Kino besucht, bei anderen laufen die Filme im Heimatland noch heute ab Band. Einige waren jedoch schon Mal im TaB zu Besuch und die Freiwilligen kennen das TaB noch aus Kindertagen. Für alle aber ist es das erste Mal, dass sie hinter die Kulissen des Atelierkinos blicken dürfen. Clo Bisaz, zuständig fürs Theater und Bruno Maurer, Kinoverantwortlicher begrüssen die Gruppe herzlich. Die Führung startete im Foyer, von wo aus es über die Treppe hoch in den Operateurraum des Kinos geht. Hier will jeder einen guten Blick auf die Apparatur erhaschen und so wird es bald etwas eng in dem kleinen Raum. Anhand der Erklärungen von Maurer wird schnell klar, Filme schauen ist hier mehr als nur eine Playtaste drücken.

«Ihr seid herzlich willkommen»

Weiter geht es im Kinosaal, wo es mehr als genug Platz hat. Gespannt breiten sich alle auf den bequemen blauen Ausklappsesseln aus. «Action!» Die Beleuchtung wird gedimmt, die Leinwand erleuchtet und in bester Bild- und Tonqualität flimmern alte und aktuelle Trailer am Publikum vorbei. «The Fast and the Furious» ist klar der Lieblingsfilm der Jugendlichen. Wie toll es wäre, selbst mal einen DVD mitbringen und hier schauen zu können, kommentieren sie. «Ihr seid immer herzlich willkommen», antwortet Bruno prompt. Mit leuchtenden Augen schmieden die Jungs sogleich Pläne für die Herbstferien.

Improvisation ist gefragt

Nach einer kurzen Trink- und Plauderpause entführt Bisaz die Gruppe in sein Reich: Das Theater. Hier heisst es Bühne frei für Fahad: «Herzlich willkommen liebe alle, es ist mein drittes Mal hier im TaB, doch das erste Mal auf der Bühne.», erzählt der junge Eritreer den Zuschauern. «Ich danke euch», fährt er mit Handzeichen an Bisaz und Maurer fort, «und ich bin sehr froh, euch kennengelernt zu haben». Unter begeistertem Applaus steigt er wieder von der Bühne.

Danach dürfen die Teilnehmenden die beiden Fachmänner mit Fragen löchern. Auf alles haben sie eine Antwort und nachdem dann auch Sinn und Zweck des Notausgangs geklärt ist, gibt es wieder «Action!». Fili steuert die Belichtung, Omar das Öffnen der Vorhänge. Drei Jungs und zwei Freiwillige kostümiert in Regen- und Offiziersmantel nehmen die Bühne in Beschlag. Es wird improvisiert und geschauspielert was das Zeug hält. Die Zuschauer filmen, lachen und klatschen begeistert. «Das habt ihr ganz toll gemacht», lobt der erfahrene Künstler Clo danach und klopft den Jungs anerkennend auf die Schultern.

Bis bald auf der Bühne

«Ich habe heute Abend wirklich viel gelernt», bedankt sich Omar zum Schluss. «Ich weiss jetzt, was ein Autor, ein Regisseur, ein Schauspieler, die Leinwand, die Beleuchtung und das Foyer sind.» Die Jungs sind begeistert von der Welt der Künstler, die sie bisher nicht kannten. Bereits studieren sie an zukünftigen Film- und Theaterprojekten. Der nächste Besuch ins TaB wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.