Lenzburg, 15.03.2018
Was ist Heimat? Ist es der Geburtsort, die Familie, das Essen, die ungeschriebenen Gesellschaftsregeln oder das Gefühl von Wohlbefinden, unabhängig des Ortes? Kann es auch mehr als eine Heimat geben? Die Freiwilligen der Inputabende des Aargauer Jugendrotkreuzes nahmen die Ausstellung «Heimat» im Stapferhaus in Lenzburg zum Anlass, das Thema mit den unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMAs) zu beleuchten.
Multidimensional
Gemeinsam mit vierzehn Jugendlichen aus der Asylunterkunft in Suhr, besuchten die fünf Freiwilligen des Jugendrotkreuzes Mitte März die vielgelobte Ausstellung. Bereits am Inputabend in der Woche zuvor hatten sich die Teilnehmenden auf den Besuch vorbereitet und angeregt über die unterschiedlichen Facetten und Interpretationen von Heimat diskutiert. Im Stapferhaus kamen nun noch ganz neue Dimensionen dazu.
Auf weichen Kissen liegend, erlebten die Teilnehmenden im ersten, rosapulsierenden Raum, dass uns Menschen eine Heimat verbindet - der Körper der Mutter. Neugeboren galt es danach, seine psychologische Heimat anhand eines kurzen Fragebogens zu definieren. In einem Raum voller Spiegel wurde klar, wie stark die Wahrnehmung vom eigenen Standpunkt und der Perspektive abhängt. Videoportraits in aufwändig dekorierten, kleinen Häuschen zeigten unterschiedliche Heimaterfahrungen: Heimat als Zusammenhalt im Bündner Bergdorf, als Lebensphilosophie beim Reisen, als gelebte Tradition beim Silvesterchlausen oder als Erinnerung an einen kriegsversehrten Ort. Durch eine virtuelle Raumfahrt und den Blick auf die ferne Erde, wurde betont, dass wir alle, trotz unterschiedlichen Definitionen von Heimat, unseren Planeten als Heimat teilen. Nach der abschliessenden Fahrt auf dem Riesenrad durften alle Teilnehmenden ihren persönlichen «Heimatschein», generiert aus ihren Antworten auf den Fragebogen, entgegennehmen.
Offen und wandelbar
Die vielen Eindrücke von der Ausstellung wurden auch am darauffolgenden Inputabend nochmals verarbeitet. Die Teilnehmenden sprachen über ihre Erinnerungen und darüber, wie der Besuch ihre Wahrnehmung von Heimat verändert hat. Zum Abschluss präsentierte jeder einen selbstgeschriebenen Text oder ein selbstgemaltes Bild von seiner Heimat. Dabei wurde klar, dass Heimat sowohl ein sehr offener wie auch individueller und wandelbarer Begriff ist. Aber sehen Sie selbst ...