Tagung zum Rotkreuz-Grundsatz Freiwilligkeit

«Freiwilligenarbeit ist eine Haltung und unbezahlbar.»

Im vergangenen April tauschten an einer Tagung Freiwillige und Mitarbeitende des SRK Kanton Aargau Ideen und Gedanken zu Freiwilligenarbeit, Partizipation von Freiwilligen und Botschafterrollen aus. Iris Flückiger, Verantwortliche Freiwilligenarbeit, erläutert in einem kurzen Interview die wichtigsten Erkenntnisse und Resultate aus der Tagung, und wie das SRK Kanton Aargau diese nun umsetzt in seiner Freiwilligenarbeit.
Tagung Freiwilligkeit
Tagung Freiwilligkeit
Iris Flückiger

Iris Flückiger, was macht Freiwilligenarbeit beim SRK Kanton Aargau heute und morgen attraktiv?

Hierzu bediene ich mich gerne den Antworten von der besagten April-Tagung.
Während es für die einen der zeitlich flexible Freiwilligen-Einsatz ist, schätzen andere die gute, verbindliche Organisation und das SRK Kanton Aargau als Anlaufstelle bei Fragen oder Unsicherheiten. Dabei tragen unsere Mitarbeitenden, die einen direkten und wertschätzenden Kontakt zu den Freiwilligen pflegen, wesentlich dazu bei. Aber auch das Angebot an möglichen Freiwilligen-Engagements im SRK Kanton Aargau ist vielseitig (insgesamt 15), was ebenso auf die Attraktivität zurückschliessen lässt.

Gab es Antworten von den Freiwilligen, die dich überrascht haben? 

Vor allem und immer wieder beeindrucken (aber auch berühren) mich die vielseitigen Beweggründe, warum sich jemand für ein Freiwilligenengagement entscheidet. Diese Mannigfaltigkeit widerspiegelt sich natürlich auch in den Bedürfnissen und deren Gewichtigkeit. Ich habe insofern keine grosse Überraschung erfahren, weil bei der Auswertung der Tagung doch eine ähnliche, gemeinsame Tendenz auszumachen war. Lediglich beim Thema «Weiterbildung» war ich etwas überrascht, dass die anwesenden Freiwilligen dies nicht so sehr gewichteten, wie ich es vermutet hätte.

Welche konkreten Massnahmen setzt das SRK Kanton Aargau nun um, um die Freiwilligenarbeit noch attraktiver zu gestalten?

Mich freut es, dass sich die Wünsche und Bedürfnisse der Freiwilligen mehr oder weniger mit der mittel- und langfristigen Ausrichtung des Freiwilligenmanagements decken. Der Wunsch nach weniger Administration (z. B. Ausfüllen von Papier-Rapport beim Fahrdienst) werden wir nächstes Jahr mit einem Pilot-Projekt zum Thema digitales Reporting angehen.

Auch das Thema Intranet steckt in der Entwicklung. Der Zugang der Freiwilligen ist dabei angedacht. Diese gemeinsame Plattform begünstigt den Austausch und vereinfacht die Kommunikation.

Weitere Themen wie Partizipation, Austausch zwischen den Freiwilligen, Weiterbildung und Vernetzung sind ebenso Themen, welche z. T. bereits angegangen wurden oder/und künftig gewichtet werden. Unsere Aufgabe besteht in Zukunft darin, die Qualität in der Freiwilligenarbeit aufrecht zu erhalten, aber auch neue, zeitgemässe Freiwilligen-Einsätze/-Gefässe zu konzipieren, um  künftigen Freiwilligen gerecht zu werden.

Wie wichtig ist den Freiwilligen Partizipation und Mitsprache?

Für das SRK Kanton Aargau sind Inputs, Feedbacks sowie Mitsprache seitens Freiwillige nicht nur eine Bereicherung, sondern wichtig. Wer sich freiwillig engagiert, macht Erfahrungen und erlangt Wissen direkt vor Ort, mit den Klientinnen und Kunden. Die Rede kommt nicht von ungefähr, dass die Freiwilligen auch Botschafter sind. Diese Botschafterrolle darf gleichermassen in die andere Richtung – von aussen nach innen – verstanden werden.

Gibt es aktuelle Projekte, bei denen sich Freiwillige aktiv einbringen können?

Vor allem das JRK geniesst hinsichtlich Partizipation seitens Freiwilligen eine Vorreiterrolle. Aber auch in anderen laufenden Pilotprojekten sind Freiwillige engagiert (z. B. im Pilotprojekt «Starthilfe Elternzeit»). Künftig werden wir noch vermehrter und gezielter Freiwillige einladen, mit ihren Erfahrungen und Wissen in Projekten mitzuarbeiten.

Die Wichtigkeit des Austauschs untereinander haben mehrere Freiwillige an der Tagung erwähnt. Wie wird der gefördert?

In der Tat gilt es, diesem Bedürfnis noch mehr Rechnung zu tragen. Was bei kleineren Freiwilligen-Gruppen gut klappt, ist z. B. bei rund 550 Rotkreuz-Fahrerinnen und -Fahrer etwas schwieriger. Erste Ansätze befinden sich jedoch im «Ideen-Karussell»; ev. im Zusammenhang mit einem Referat/einer Weiterbildung mit anschliessendem Austausch. Aber wie erwähnt, das Ideen-Karussell dreht sich noch …

Freiwillige sind wichtige Botschafter für das Aargauer Rote Kreuz. Welche Ideen hatten die Tagungsteilnehmer, um diese Rolle zu stärken?

Die Freiwilligen sind sich der Rolle als Botschafter sehr wohl bewusst. Sie stehen in engem Kontakt mit unseren Klienten, kennen aber auch weitere Stellen wie Spitäler, Praxen, Angehörige etc.
Das Ziel ist es, sie in ihrer Botschafterrollen zu festigen und die Nähe zum SRK Kanton Aargau zu stärken. Mittels regelmässigem Freiwilligen-Newsletter, Näherbringen von Rotkreuz-Dienstleistungen im Rahmen von Anlässen (wie z.B. in diesem Jahr die Besichtigung der CH Media AG in Aarau), Austausch untereinander und mit den SRK-Mitarbeitenden und der vorgängig erwähnten Partizipationsmöglichkeiten.  

Was wünschst du dir in diesem Zusammenhang von den Freiwilligen?

Dass die Freiwilligen von ihren Aktivitäten und ihrem SRK-Engagement erzählen. Dass sie durchaus auch Hilfe mit ihrem Wissen wie auch Erfahrung bieten können, indem sie Klienten auf andere SRK-Dienstleistungen hinweisen. Z. B. für eine alleinlebende Frau mit Geh-Schwierigkeiten, die den Fahrdienst in Anspruch nimmt, kann ein SRK-Notruf eine Erleichterung und v. a. Sicherheit bedeuten. Aber natürlich nur dann, wenn sie davon Kenntnis hat. Und hier kommt die Botschafterrolle zum Zuge.