15. Januar 2025: kreuzrichtig 01 /25

Engagiert für seine Mitmenschen – über das eigene Leben hinaus

Max Rudolf war zutiefst überzeugt, dass jeder Mensch Würde verdient und Mitgefühl und Gemeinsinn das Fundament unserer Gesellschaft sind. Diese Werte prägten sein Handeln und Wirken. Durch sein Vermächtnis an das Aargauer Rote Kreuz und das Schweizerische Rote Kreuz setzt er sein Engagement für die humanitäre Hilfe weit über sein Leben hinaus fort.
Max Rudolf
Max Rudolf bleibt als Humanist in Erinnerung, hier auf einem dorfgeschichtlichen Rundgang in Birmenstorf.

«Habe ich mein Leben nur geträumt oder ist es tatsächlich so geschehen?» Dieser Satz stammt vom Dichter Walther von der Vogelweide, der es Max Rudolf besonders angetan hatte. In der Rückschau wirkt das Leben des ehemaligen Birmenstorfer Lehrers, der mit 95 Jahren im Jahr 2024 seinen letzten Atemzug machte, fast wie ein Traum – so viel Einsatz zeigte er für die Gemeinschaft und seine Mitmenschen. 

Geboren wurde er am 14. August 1928 in eine Lehrerfamilie im Uerkental. Das Lesen, Schreiben und Rechnen lernten er und seine drei Schwestern bei ihrem Vater. Seine Jugendzeit war vom Zweiten Weltkrieg geprägt. Bei Kriegsausbruch war Max Rudolf elf Jahre alt und verfolgte täglich den Kriegsverlauf in den Zeitungen. 

Seine militärische Karriere quittierte er 1978 im Grad eines Hauptmanns der Festungsartillerie. Im Militärdienst konnte er sich vom grossen Wert des Sanitätsdienstes und des Kriegsvölkerrechts überzeugen. Seine berufliche Bestimmung führte ihn 1952 nach Birmenstorf, wo er als Lehrer in die Fussstapfen seines Grossvaters und Vaters trat. Max Rudolf übernahm die mehrstufige Oberschule und liess Schülerinnen und Schüler Projektarbeiten verfassen, lange bevor die moderne Pädagogik davon sprach. Zudem leitete er 13 Jahre lang den Reformierten Gemischten Chor Birmenstorf. 

Ende der 1960er-Jahre geriet Max Rudolf in eine heftige Auseinandersetzung, die als «Chrüzlistreit» in die Dorfgeschichte einging. Schulpflegepräsident war traditionsgemäss der katholische Ortspfarrer, der das Aufhängen von Kreuzen in den Schulzimmern verlangte. Max Rudolf pochte auf eine religiös neutrale Schule und legte sich mit seinen Vorgesetzten an. Am Ende obsiegte er. 

Die Schweiz als Insel der Menschlichkeit 
Kurz vor seinem 90. Geburtstag entschied sich Max Rudolf, ein Testament aufzusetzen. Humanistische Werte, also anderen helfen zu wollen und Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen, spielten für Max Rudolf durch seine Erziehung, seine Ausbildung und seine Lebenserfahrungen eine zentrale Rolle. Er verstand die Schweiz als eine Insel der Menschlichkeit und der Menschenrechte, ähnlich wie der Rotkreuz-Gründer Henry Dunant. So entschied er sich als langjähriges Mitglied des Aargauer Roten Kreuzes und Gönner des Schweizerischen Roten Kreuzes dafür, den beiden Hilfsorganisationen ein grosszügiges Legat zu hinterlassen. Er wollte über sein Lebensende hinaus sicherstellen, dass Menschen, die Schutz und Unterstützung brauchen, diese auch erhalten. Er verstand früh, dass Neutralität (in seinem Fall im Klassenzimmer) mehr Menschen einschliesst und das Vertrauen aller bewahrt. 

Die letzten zwei Jahre seines Lebens war Max Rudolf häufig auf Hilfe angewiesen, für die er sehr dankbar war. Zeit seines Lebens war er für seine Mitmenschen da und hatte viel in die Gemeinschaft investiert. Diese Beziehungen kamen Max Rudolf in dieser schwierigen Zeit zugute. Selbst für seine Bescheidenheit bekannt, lässt er mit seinem Legat die Rotkreuz-Werte über 160 Jahre nach der Gründung des Internationalen Roten Kreuzes weiterleben und macht konkrete und unkomplizierte Hilfen für Menschen in Notlagen auch in der Zukunft möglich. 

Vielen Dank an den Willensvollstrecker Patrick Zehnder, der Max Rudolf sehr gut kannte, für das Gespräch zum Erstellen dieses Porträts.