Koordinationsstellen für Freiwilligenarbeit

Den Bedürfnissen von geflüchteten Frauen Rechnung tragen

27 Freiwillige und Fachpersonen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich haben am vergangenen Mittwoch an der Weiterbildung der Berner Organisation «Terre des Femmes» teilgenommen. Organisiert wurde der Anlass von den beiden Koordinationsstellen für Freiwilligenarbeit in Baden und Brugg. Die Badener Koordinationsstelle wird vom SRK Kanton Aargau geführt.

Sozialarbeiterin Barbara Eggo von Terre des Femmes erzählt, dass sich kürzlich eine junge Frau aus Syrien an sie gewandt habe, da sie von ihrem Betreuer in der Asylunterkunft bedrängt wurde. Andere asylsuchende Frauen fühlen sich unwohl, wenn sie die mehrheitlich gemischtgeschlechtlichen sanitären Anlagen in den Asylunterkünften benützen müssen. Nachts alleine in der Asylunterkunft aufs WC zu gehen, das macht auch der jungen geflüchteten Frau aus Eritrea Mühe.

Keine Einzelfälle, wie die beiden Referentinnen Fatma Leblebici und Flurina Peyer von Terre des Femmes berichten: Mindestens 50 Prozent aller Flüchtlinge sind Frauen und Mädchen. Geflüchtete Frauen laufen Gefahr, während der Flucht Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt zu werden. Dabei sind die Täter nicht nur Schlepper oder männliche Geflüchtete, sondern auch diejenigen, die den Schutz der Frauen gewährleisten sollen, also Polizisten oder UN-Soldaten. Gelingt es den Frauen, in ein vermeintlich sicheres europäisches Land zu fliehen, setzt sich auch hier die Gewaltspirale oftmals fort. Viele Schweizer Kollektivunterkünfte bieten geflüchteten Frauen keinen Schutz vor Gewalt. Es fehlen sicher zugängliche Sanitäranlagen und Aufenthaltsräume. Abhängigkeitsverhältnisse führen zu Übergriffen durch Bewohner, Betreuer oder Sicherheitsangestellte.

Neben dem Vortrag von «Terre des Femmes» blieb viel Raum, damit sich die Teilnehmer*innen untereinander austauschen konnten. So erzählten zwei Betreuerinnen vom Kantonalen Sozialdienst wie sie es in ihren Unterkünften handhaben und beantworteten Fragen der Freiwilligen. Shorena, eine Freiwillige aus Neuenhof berichtete von einem Fall von häuslicher Gewalt, den sie im Rahmen von ihrem Freiwilligeneinsatz für das Frauenprojekt des Kafi Royals aufdecken konnte. 

Am Ende des Anlasses wussten die Freiwilligen, auf was sie in Zukunft ihr Augenmerk richten sollten, um auf die speziellen Bedürfnisse von geflüchteten Frauen einzugehen oder an welche Fachstellen sie sich wenden können, wenn geflüchtete Frauen fachliche Unterstützung benötigen. Bleiben werden aber auch die vielen neuen Bekanntschaften und die eindrücklichen Geschichten.