15. August 2025: kreuzrichtig 03 /25

Das muss sich für betreuende Angehörige ändern

Sie stehen früh auf, organisieren Arzttermine, reichen Medikamente, spenden Trost und halten durch – oft bis zur eigenen Erschöpfung. Betreuende Angehörige übernehmen eine essenzielle Rolle im Gesundheits- und Sozialwesen, doch ihr Einsatz bleibt meist unsichtbar. Allein im Kanton Aargau stemmen rund 51 000 Menschen diese Verantwortung und leisten jährlich 6,4 Millionen Stunden unentgeltliche Arbeit. Mit welchen Herausforderungen betreuende Angehörige konfrontiert sind, erläutert Regula Kiechle, Geschäftsführerin des SRK Kanton Aargau.
Unterstützung im Alltag Entlastung

Wer sind betreuende Angehörige?
Regula Kiechle: Betreuende Angehörige kümmern sich um einen nahestehenden Menschen, der körperlich oder psychisch krank ist, eine Beeinträchtigung hat, von einer Abhängigkeitserkrankung betroffen ist, einen Unfall erlitten hat oder der aufgrund des Alters Unterstützung benötigt.

Welche Herausforderungen bestehen derzeit im Kanton Aargau im Bereich der Betreuung von Angehörigen?
Regula Kiechle: Es existieren verschiedene Studien, welche die prekäre Lage der mangelnden Unterstützung der betreuenden Angehörigen darlegen. Dennoch übernimmt niemand verbindlich die Verantwortung für die Lösung dieser Probleme. Die Betroffenen sind mehrheitlich auf sich allein gestellt, sind oft verzweifelt und fühlen sich hilflos.

«Es existieren verschiedene Studien, welche die prekäre Lage der mangelnden Unterstützung der betreuenden Angehörigen darlegen.»
Regula Kiechle, Geschäftsführerin SRK Kanton Aargau

Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial in der Unterstützung betreuender Angehöriger?
Regula Kiechle: Jene Generationen, welche ihr Leben lang viel für diese Gesellschaft geleistet haben, dürfen wir nun nicht allein lassen! Analog zu dem, wie ein Kanton den Bildungsauftrag für Heranwachsende erfüllt, hat er auch die Sorgfaltspflicht, die ausreichende Versorgung der betreuungsbedürftigen Menschen zu gewährleisten. Es ist an der Zeit, dass die umfangreichen, durchdachten Konzepte und Strategien endlich in gesetzliche Grundlagen eingebunden werden.

Warum sollten betreuende Angehörige möglichst früh Hilfe in Anspruch nehmen?
Regula Kiechle: Eine Betreuungssituation bahnt sich oft schleichend an und mündet für die Angehörigen in einer überfordernden Lebensaufgabe. Mit rechtzeitiger Unterstützung können sie sich regenerieren und ihr Privatleben bewahren. Davon profitieren nicht nur sie selbst, sondern auch die erkrankte Person und letztlich die ganze Gesellschaft.

Unterstützt das SRK Kanton Aargau betreuende Angehörige noch mit weiteren Angeboten?
Regula Kiechle: Die betreuenden Angehörigen sind unser Herzensanliegen! Wir lassen sie nicht allein! Alles, was einer gebrechlichen oder kranken Person zugutekommt, verschafft allen Involvierten mehr Lebensqualität. Deshalb bieten wir verschiedene Dienstleistungen wie zum Beispiel die Rotkreuz-Tagesstrukturen in Aarau und Frick, den Rotkreuz- Notruf und -Fahrdienst und die Patientenverfügung SRK. Angehörige können sich jederzeit bei uns melden und wir leisten eine individuelle, menschliche und fachliche Beratung.