Pflegehelfer sind aus der Praxis nicht wegzudenken

Diskutieren die Studienresultate: Die Teilnehmenden der Impulsveranstaltung unterhalten sich über Entwicklungsmöglichkeiten der Pflegehelferausbildung.
450 Pflegehelferinnen und Pflegehelfer werden jährlich vom Roten Kreuz Kanton Aargau und Solothurn ausgebildet. Erstmals hat eine Studie die Bedeutung der Ausbildung für Absolventen und Arbeitgeber untersucht.

Aarau.- Den Lehrgang Pflegehelfer/-in des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) gibt es seit 1959 – seither haben über 100‘000 Personen diese Ausbildung abgeschlossen. In den Kantonen Aargau und Solothurn erhalten jedes Jahr rund 450 Absolventen unterschiedlichen Alters und Herkunft das Pflegehelfer-Zertifikat.

Erstmals hat nun ein Projektteam der Berner Fachhochschule die Bedeutung und Entwicklungsmöglichkeiten der grossen Berufsgruppe aus Sicht der Pflegehelferinnen sowie deren Vorgesetzten erforscht.

Treue Mitarbeitende mit Potenzial

Die Studienresultate zeigen, dass rund 50 Prozent der Pflegehelferinnen und -helfer vorher eine Berufslehre abgeschlossen haben und sich weiterbilden oder in eine Pflegeausbildung einsteigen möchten. Von den Absolventen des Lehrgangs finden etwa 70 Prozent eine Anstellung im Langzeitpflegebereich, in der Spitex oder in einer Institution für Menschen mit einer Beeinträchtigung finden. Hier werden sie von ihren Arbeitgebern sehr geschätzt. Pflegehelferinnen und –helfer seien oft langjährige und treue Mitarbeitende, denen man Sorge tragen und deren Potenzial man ausschöpfen müsse – so der Tenor der befragten Betriebe. Der am häufigsten genannte Kritikpunkt seitens der Arbeitgeber ist die teils mangelnde Sprachkompetenz der Absolventen mit Migrationshintergrund.

Auch die Pflegehelferinnen und -helfer selbst empfinden ihre Tätigkeit laut Studie als attraktiv und sinnvoll. In ihren Rückmeldungen beanstanden sie jedoch, dass sie im Pflegealltag teilweise Tätigkeiten ausführen müssen, welche über ihre Kompetenzen und Fähigkeiten hinausgehe. Zudem würden Weiterbildungen finanziell zu wenig gefördert.

Höhere Anforderungen und Fortbildung gefordert

Diese und weitere Studienresultate wurden kürzlich von Fachpersonen und Interessierten an einer Impulsveranstaltung in Olten diskutiert. Esther Cavegn, die lange in leitendenden Positionen beim der Spitex und im Alters- und Pflegeheim arbeitete, meinte etwa zur Problematik der Kompetenzüberschreitung, dass sei eine Frage der Planung. «Es ist durchaus möglich, die verschiedenen Berufsgruppen gemäss ihren Kompetenzen einzusetzen. Es sind jedoch spezifische Fortbildungen nötig, damit die Pflegehelferinnen ihre Kompetenzen vertiefen könnten», so Cavegn.

Luzia Stocker, verantwortlich für die Pflegehelferausbildung im Kanton Solothurn, verwies dabei auf das neue Curriculum, das 2019 schweizweit eingeführt wird und passend zu den weiterführenden Ausbildungen im Pflege- und Betreuungsbereich aufgebaut ist. Bezüglich der Sprachkompetenz denke man darüber nach, die Anforderungen zu erhöhen, erläuterte sie die SRK-Mitarbeiterin.